Die platonische Liebe und ihre ursprüngliche Idee
Heute wird mit dem Begriff der platonischen Liebe vor allem eine oberflächliche Beziehung zweier Menschen verbunden. Nach Platon jedoch handelt es sich um die innigste aller Verbindungen.
Die nach dem griechischen Philosophen Platon benannte Form der Liebe unterscheidet sich grundsätzlich von der Liebe in einer Partnerschaft. Wesentliches Merkmal der platonischen Liebe ist der Verzicht auf eine sexuelle Vereinigung, stattdessen geht es um eine enge Verbindung der Seelen. Grundsätzliche Annahme hierbei ist, dass Seelen geschlechtslos sind; aus diesem Grund ist die platonische Liebe zwischen gleichgeschlechtlichen Menschen nichts Außergewöhnliches.
Viele Menschen verbinden mit dem Begriff der platonischen Liebe eine Art Zweitwahl, weil sie sehr häufig in einem Kontext zum Tragen kommt, in dem eine Partei an einer festen und sexuellen Beziehung interessiert war, die andere Partei aber ablehnt, den Kontakt dennoch nicht beenden will, stattdessen eine platonische Beziehung zur Schlichtung der Situation vorschlägt. Ein ganz ähnliches Szenario war für die Erschaffung dieses Begriffs verantwortlich: Platon, mittlerweile alt und körperlich unattraktiv, wurde vergeblich von seinem Schüler Alkibiades zum Geschlechtsakt verführt. Platon schlug stattdessen vor eine Beziehung auf geistiger Ebene zu entwickeln, welche er als noch bedeutsamer ansah.
Nach Platon gibt es keine höhere Form der Liebe als die platonische. Sie bezeichnet für ihn eine Seelenverwandtschaft, die mit der Vergänglichkeit menschlicher Körper und dem damit verbundenen sexuellen Erlebnis nicht vergleichbar ist. Liebe, die ganz entscheidend mit körperlichen Begehren zusammenhängt, war für Platon konditionell und von nur vorübergehender Dauer. Demgegenüber steht die Liebe auf platonischem Niveau 1. zu einem anderen Menschen, 2. zu jedweder Art der positiven Lebenseinstellung und 3. zur Wissenschaft. Die darauf folgende vierte Stufe wird, nach Platon, von fast keinem Menschen erreicht: Es handelt sich hierbei um das Streben nach Perfektion, Schönheit und Idealen wie beispielsweise Wahrheit. Letztlich läuft diese vierte Stufe der platonischen Liebe also auf eine Art Göttlichkeit hinaus. Platon bezeichnet die wenigen Menschen, die tatsächlich in der Lage sind, diese vierte Form der Liebe zu praktizieren, Philosophen und definiert dementsprechend die Philosophie als essentiellen Bestandteil der Liebe, gleiches gilt im Umkehrschluss für die Liebe (als essentieller Bestandteil der Philosophie).
Während der Begriff der platonischen Liebe heute vielmehr mit einer eher oberflächlichen Art der Zuneigung verbunden ist, war sie für Platon die einzige wahre und erstrebenswerte Form sich mit einem Menschen zu vereinigen.